Frank Dastych: „Ich kann Ihnen keine Daten liefern, die ein MVZ-Bashing möglich machen“

Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung des Bundesverbands der Betreiber medizinischer Versorgungszentren (BBMV) e.V. tauschten sich am 11. Mai Fachleute aus dem Gesundheitsbereich über die ambulante Versorgung und Trägerschaft von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) aus.

Frank Dastych, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen schilderte dabei die Lage in seinem Bundesland. 

Seinen Beitrag eröffnete der Vorsitzende der KV Hessen mit einem Hinweis auf die Renditekritik in der aktuellen Diskussion über die Trägerschaft von MVZ. Praxen seien immer auch Wirtschaftsbetriebe – „Natürlich müssen wir auch eine Rendite erzielen. Sie heißt nur bei der Einzelpraxis anders und ist das Einkommen was am Ende übrigbleibt.“ Auch er hätte an seiner Praxis verdient, wenn dies nicht so wäre, dann hätten wir in Deutschland eine andere Versorgungslandschaft. „Es ist da in dieser Diskussion nicht hilfreich, nicht klug, MVZ-Strukturen anders zu bewerten als Einzelpraxen.“

 

In der Diskussion über MVZ stehe die KV Hessen, so ihr Vorsitzender, „weder bei den Kreuzrittern“, die sich eine Zeit zurückwünsche, die er selbst in 30 Jahren KV-Tätigkeit selbst auch nie erlebt hätte, noch bei „denjenigen, die die Entwicklung unkritisch sehen“. 

Bedeutung von Kapital und Finanzierung heute eine andere, als vor 20 Jahren

Das ambulante Versorgungssystem in Deutschland schätzt Dastych als eine der leistungsfähigsten weltweit ein.  Es sei heute nicht mehr die papiergebundene Einzelpraxis, sondern hochtechnisierte Einrichtungen. Das gehe dementsprechend mit einer stärkeren Kapitalbedeutung als noch vor 15-20 Jahren einher.

„Das heißt aber auch, die Bedeutung von Kapital und Finanzierung ist in der ambulanten Medizin heute, eine andere, als noch vor 20, oder 15 Jahren. Und das muss man als KV berücksichtigen. Wir haben ja eigentlich nicht den Auftrag Versorgungsstrukturen zu reglementieren, sondern wir haben einen Sicherstellungsauftrag.“ Dennoch müsse die KV ein Blick auf die Versorgungsstrukturen haben, wenn diese sich auf die Versorgungssicherheit auswirken.

 

Neben dem Kapitaleinsatz haben sich auch die Lebens- und Arbeitsvorstellungen junger Ärztinnen und Ärzte gewandelt. Ein zunehmender Wunsch nach „Anstellung, Flexibilität und die Fokussierung auf die ärztliche Tätigkeit“ bei den neuen Ärztegenerationen sei zu beobachten. Dieser zeigt sich im Anteil von Ärzten unter 50 Jahren, die in einem Anstellungsverhältnis stehen. In Hessen liegt dieser bei 33 Prozent, wobei der Anteil in kreisfreien Städten mit 36 Prozent noch etwas höher ist. „Ein Großteil dieser Anstellungen finden in MVZ statt – losgelöst von der Trägerstruktur.“ 

 

In Mittel- und Oberzentren sehe er jedoch Tendenzen, dass selbstständige Ärztinnen und Ärzte nicht immer mit MVZ-Gruppen konkurrieren könnten. Dies betreffe aber jedoch nicht die Versorgungsstruktur. Hier müsse man bestehende Ungleichheiten, z.B. im Zulassungsrecht und bei den Nachbesetzungen abbauen und für „gleichlange Spieße“ sorgen.

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Frank Dastych, Vorsitzender KV Hessen

 

 

Das heißt aber auch, die Bedeutung von Kapital und Finanzierung ist in der ambulanten Medizin heute, eine andere, als noch vor 20, oder 15 Jahren. Und das muss man als KV berücksichtigen. Wir haben ja eigentlich nicht den Auftrag Versorgungsstrukturen zu reglementieren, sondern wir haben einen Sicherstellungsauftrag.

 

Frank Dastych, Vorsitzender KV Hessen

Bei MVZ von Klinik-Gruppen genauer hinschauen

Mit Blick auf die von anderen KVen befeuerte Diskussion über MVZ-Gruppen, sieht Dastych jedoch keinen Grund, „jetzt schon zum Gesetzgeber zu gehen und zu sagen, wir müssen jetzt schon regulieren.“ In Hessen verfüge man über keinerlei Daten, die „ein MVZ-Bashing“ rechtfertigen würde.

 

Was die KV Hessen jedoch genau beobachte, so Dastych zum Ende seines Vortrages, sei die Entwicklung bei den MVZ der Klinik-Gruppen. Der Eindruck bestünde, dass Leistungen aus dem stationären Bereich, die zwar prestationär erbringbar wären, in Fällen in denen ein stationärer Fall folgt, in den ambulanten Bereich der Krankenhaus-MVZ verlagert werden, um sie dort abrechnungsfähig zu machen. Dastych sieht diese Beobachtung hochkritisch, „da dort wo dies stattfindet, Sitze der ambulanten Versorgung entzogen werden“ sowie „dem ambulanten System Geld entzogen“ wird. 

 

In seinem Fazit betont Dastych, dass „MVZ heutzutage ein wesentlicher Bestandteil der ambulanten Versorgung sind, aber es ist nicht alles Gold was glänzt.“ Im Sinne der ambulanten Versorgung gucke die KV-Hessen sowohl bei den Einzelpraxen als auch bei den BAG, ÜBAG und den MVZ genau hin, was da passiert. An den stellv. Vorsitzenden des BBMV, Dr. Schayan-Araghi gerichtet, beschließt er seinen Vortrag: „Und wer sich da als wesentlicher und guter Teil der ambulanten Versorgung erweist, dessen Einladung nehme ich auch gerne an.“